Hassen wir sie nicht alle, die blinkenden Werbe-Banner? Ist uns nicht auch
schon aufgefallen, dass Internetseiten mit besonders viel Werbung
teilweise ewig lange braucht um zu laden?
Nun, es gibt
Abhilfe und man braucht noch nicht mal ein Werbeblocker-Programm
dafür, nur ein wenig Geduld und Wissen.
Vorab möchte ich daher erklären, wie ein Rechner überhaupt an eine Webseite und die ganzen Werbebanner kommt. Dazu muss ich freilich erst mal ein paar grundsätzliche Dinge erklären, aber keine angst, es ist nicht schwer zu verstehen und ich versuche nicht zu sehr ins Detail zu gehen.
Das DNS.
Nein, ich rede nicht von der “Desoxyribonukleinsäure“, wie
man sie in der Biologie kennt, sondern in diesem Zusammenhang
spricht man beim DNS vom “Domain Name System“.
Das DNS ist quasi wie ein Telefonbuch: Adressen von Rechnern im Netz werden
immer als sogenannte "IP-Adresse" der Form 127.0.0.1 oder ähnlich
verwaltet. Die kann man natürlich schlecht lesen und deswegen gibt es das
DNS, welches jeder IP-Adresse einen oder mehrere Namen der Form
"www.t-online.de" (subdomain.domain.topleveldomain) zuordnen kann.
Eine Adresse ist immer vorgegeben: Unter 127.0.0.1 erreicht ein Rechner
immer nur sich selbst, der Name zu der Adresse lautet "localhost".
Sollte man sich merken, denn das ist wichtig.
Der DNS-Server:
Der ist quasi die Auskunft: Damit dein Rechner weiß, welche IP-Adresse mit
"www.t-online.de" gemeint ist, um mit ihm zu kommunizieren, fragt er zunächst
einen DNS-Server: "Kollege, welche Adresse hat www.t-online.de?", dieser
antwortet: "212.227.109.10" und schon ist klar, bei
welcher Adresse man seine Daten abholen kann.
Proxy Server:
Ein Proxy-Server ist ne Art Zwischenspeicher: damit dein Rechner sich
nicht durch das halbe Internet hangeln muss, um an die Informationen
zu kommen, gibt es Proxy-Server, die häufig angefragte Daten
zwischen speichern und die auch eine großen Ansturm an
Anfragen bewältigen können (was der Hinterhof-Server von
"www.kleinkarlchen.invalid" möglicherweise nicht schafft).
Ändert sich der Inhalt einer Seite, muss der Proxy die Daten freilich neu
holen, bevor er sie dir ausliefert. Das passiert aber in der Regel
nicht so oft, wie Leute auf die Seite zugreifen und aus diesem Grund
ist es immer unbedingt zu empfehlen, einen Proxy-Server zu benutzen,
wenn der eigene Internet-Dienst einen anbietet.
Das Problem "Adserver:"
"Adserver" steht für "Advertising Server", sprich: ein Server,
dessen einziger Job es ist Werbung auszuliefern. Ein Adserver ist
eine unsäglich bescheuerte Erfindung, nicht weil er Werbung
ausliefert, sondern weil er ein technisches Problem verursacht:
Die Aufgabe eines Adservers ist es, nicht einfach Werbung auszuliefern, sondern
Werbung möglichst zielgenau zu platzieren, also für jeden
User individuell, passend zu seinen Vorlieben und Surf-Gewohnheiten.
Ohne weiter auf die genaue Arbeitsweise (Cookies, Session-IDs, etc) einzugehen,
kann man sagen, dass man, um Werbung für jeden Nutzer
individuell zu platzieren, für jeden Zugriff individuelle Daten ausliefern
muss, sprich: man verhindert dummerweise, dass ein Proxy ein Werbe-Banner zwischenspeichern
kann, denn für jeden User liegen andere Daten an.
Um mit Werbung Geld zu machen, muss ein Adserver nicht nur Werbung möglichst
zielgenau platzieren, nein er muss vor allem VIEL Werbung platzieren
und weil er ja selbst nicht zulässt, dass er von einem Proxy
unterstützt wird, muss der Adserver auch noch die komplette
Last an eingehenden Anfragen bewältigen. Weil mit Werbung aber im Netz nicht so viel Geld zu machen ist, wie man sich
denkt, sind viele Adserver gnadenlos unter-dimensioniert.
Ein weiteres Problem entsteht, wenn so ein Adserver umzieht und eine neue
IP-Adresse bekommt: diese Adresse muss erst mal im DNS bekannt
sein, sprich: dein DNS-Server fragt, wenn er sie nicht kennt oder wenn
unter der Adresse niemand zu finden ist, einen anderen DNS-Server,
und so weiter, bis feststeht, welche Adresse einem Namen aktuell zugeordnet ist.
Das hat zur Folge, dass das Laden einer eigentlich schnellen Seite
durch viele Werbe-Banner, die ja von den Adservern kommen, ausgebremst wird:
a) Kann es lange dauern, bis die IP-Adresse des Adservers überhaupt ermittelt ist.
b) Dauert es mitunter ewig, bis einige Adserver Antwort geben und ihre Werbung ausliefern.
Wenn wir jetzt noch einen schlechten Webdesigner haben, der
die Größe der Werbung nicht von vorn herein angibt, so muss ein Browser sogar
unter Umständen das Layout einer Webseite so lange verzögern,
bis das Werbe-Banner ausgeliefert ist.
Wie man also sieht, vergrößern Werbe-Banner nicht gerade den
Surf-Spaß, außerdem sehen sie einfach mies aus und stören mit ihrem Geblinke.
Die Hosts Datei:
Die "HOSTS"-Datei ist eine Datei, die in der Regel in dem folgenden Verzeichnis liegt:
| Windows 95/98/Me | "c:\windows\hosts" |
|---|---|
| Windows XP Home | "c:\windows\system32\drivers\etc\hosts" |
| Windows NT/2000/XP Prof. | "c:\winnt\system32\drivers\etc\hosts" |
| Linux, Unix, MacOS X | "/etc/hosts" |
In der Hosts-Datei kann man folgende Einträge (jeweils einen pro Zeile) vornehmen:
212.227.109.10 www.t-online.de |
Was bedeutet: "www.t-online.de" hat die IP Adresse "212.227.109.10".
Ohne Proxy-Server schaut der Rechner für jeden Domain-Namen zunächst in seine eigene Hosts-Datei nach der passenden IP-Nummer. Wenn er dort keinen Eintrag findet, so fragt er den nächsten, ihm bekannten, DNS-Server.
Das Proxy-/Hostsdatei-Problem:
Wenn du über
einen Proxy ins Netz gehst (siehe oben) so fragst du nie direkt die
Adresse "www.t-online.de",
sondern du sprichst mit dem Proxy und weist ihn an, dir die Daten
von "www.t-online.de"
zu besorgen. Das bedeutet, dass der Proxy die DNS-Auflösung
macht und dein Hosts-File gar nicht erst ausgewertet wird.
Jeder moderne Browser bietet dir aber an, den Proxy für ausgesuchte Namen zu
umgehen. Gibst du im Browser also an, dass er für die Adresse "www.t.online.de"
keinen Proxy nehmen soll, so wird erst in der Hosts-Datei geschaut, bei Miserfolg
der DNS-Server gefragt und wenn dann schliesslich eine bekannte Adresse raus kommt,
so wird direkt mit dieser verbunden, ohne dass eine Pufferung vom Proxy vorgenommen wird.
Wird die Adresse nicht gefunden, so gibt es einen Fehler.
Werbung blocken mit der Hosts-Datei
Wenn du jetzt verstanden hast, wie eine Hosts-Datei funktioniert, kannst du fast
schon selbst drauf kommen.
Der Trick ist so einfach, dass er wieder genial ist: Du gaukelst deinem Rechner
vor, er selbst wäre der Adserver:
Öffne z.B. dein Hosts-File mit einem Texteditor und trage
dort z.B. folgende Zeilen ein und speichere sie wieder:
127.0.0.1 localhost
|
Die erste Zeile ist die Standard-Vorgabe, dass du unter "localhost"
immer deinen eigenen Rechner erreichst. Die folgenden Zeilen ordnen
die Namen der Adserver deinem eigenen Rechner zu.
Als nächstes trägst du in den Proxy-Einstellungen deines
Browsers ein:
| [X] Proxy für die folgenden Adressen nicht verwenden: |
|---|
|
localhost adserver.adtech.de googleadservices.com pagead.googlesyndication.com pagead1.googlesyndication.com pagead2.googlesyndication.com as1.falkag.de adserver.mindshare.de adserver2.mindshare.de adserv.quality-channel.de |
Damit passiert folgendes:
Der Browser fragt nicht den Proxy, dass er ihm bitte Daten von
"googleadservices.com" ausliefere, sondern er fragt den
eigenen Rechner. Der wiederum schaut im Hosts-file nach, ob der
Name bekannt ist, findet heraus, dass der Name der Adresse 127.0.0.1
zugeordnet ist, und fragt daraufhin 127.0.0.1 (also sich selbst),
nach Daten.
Weil du aber auf deinem Rechner in der Regel keinen eigenen Webserver laufen
hast, wird diese Anfrage sofort abgewiesen und der Browser weiß
direkt, dass da nix zu holen ist und lässt die Fläche folglich leer.
Das alles geht natürlich blitzschnell.
Adserver finden
Es gibt im Netz eine ganze Reihe fertiger Hosts Dateien zum Download,
möglicherweise enthalten sie aber nicht die Adserver, der die
Werbung liefert, die einem auf seiner Lieblings-Seite gerade richtig
auf die Nüsse geht, also was tun?
Nehmen wir an, man hat eine Internetseite aufgerufen und es blinkt einem ein
Werbe-Banner entgegen:
Eine Möglichkeit besteht darin, den Mauszeiger über einer Werbeanzeige schweben zu
lassen und zu schauen, welche Zieladresse auf dem Bildschirm angezeigt wird.
Das führt nicht immer, aber oft zum Erfolg.
Wenn das nicht fruchtet, hilft aber immer noch derBlick in den Quelltext
der Webseite:
Wie das mit dem Internet-Explorer geht, werde ich nicht sagen, denn dieses Programm
ist ein Sicherheitsrisiko und ich werde seine Verwendung nicht
unterstützen. Beim Opera-Browser wähle man im Menu
"Ansicht" den Punkt "Quelltext" (auf
englisch: "View" -> "Source").
Den Quelltext schaut man sich nun aufmerksam an, oft sind entsprechende Adressen
zwischen markigen Werbesprüchen zu sehen und es fällt auf,
dass diese Adressen nicht mit der Adresse übereinstimmen, die man
angesurft hat.
Wenn beispielsweise eine Adresse, wie "adfarm.mediaplex.com"
nahe eines Wortes, wie "Anzeige" oder "Last Minute
Auktionen" oder ähnliches vorkommt, sieht das schon
schwer nach einem Adserver aus. Zum Test kann man diese Seite
einfach mal als Webadresse im Browser angeben. Bei obiger Adresse
erscheint kurz der Test "Banner Service, Mediaplex",
bevor man auf die Seite der Firma weiter geleitet wird: ganz klar,
das ist ein Adserver. Also nimmt man entsprechende Einträge in
der Hosts-Datei und in der "Keinen Proxy verwenden
für"-Einstellung im Browser vor.
Vorsicht ist dennoch geboten: manchmal liefern die Server von bekannten Seiten
ihre Werbung auch selbst aus, statt sich fremder Adserver zu
bedienen, dann ist man natürlich machtlos, denn würde man
z.B. einen Text wie "http.//www.adresse.invalid/adbanners"
im Quelltext der Seite "www.adresse.invalid" finden, und
daraufhin den Server "www.adresse.invalid" blocken
wollen, könnte man sich die Seite "www.adresse.invalid"
natürlich nicht mehr anschauen.
So, das war dann auch schon das wichtigste zu dem Thema. Ich hoffe, ich habe mit diesem Beitrag alle Klarheiten beseitigt und wünsche eine erfolgreiche Jagd auf lästige Werbung.